Gedruckte Ausgabe

1563 n. Chr.

 

BRESTER BIBEL

Die Entstehung und Geschichte der Brester Bibel hängen unmittelbar mit der Reformationswelle zusammen, die auch Polen erreichte, insbesondere mit der Entwicklung einer ihrer wichtigen Ströme - dem Calvinismus.

Sola Scriptura

Gemäß dem Grundsatz der Reformation sollte die Bibel in den verschiedenen Landessprachen gelesen werden können. Deshalb sahen auch polnische Protestanten in der Hälfte des 16. Jahrhunderts den Bedarf, eine eigene Übersetzung der Heiligen Schrift zu schaffen. Die Synode von Pińczów bestimmte im Jahr 1559 Grzegorz Orszacki, Pierre Statorius und Jean Thenaudus aus Frankreich für diese Aufgabe. Nach drei Jahren war die Übersetzung der fünf Bücher Mose abgeschlossen. Im Jahr 1563 kamen Jerzy Szoman und Jakub Lubelczyk als weitere Übersetzer dazu. Am Text arbeitete demzufolge eine Gruppe von Calvinisten. Die fertig gestellte Brester Bibel wurde 1563 in Litauisch Brest [heute: Weißrussland] herausgegeben. Ihr großer Vorzug war, dass sie aus den Originalsprachen (Hebräisch und Griechisch) übersetzt worden war.

Radziwill-Bibel

Diese Bibel wurde unterschiedlich bezeichnet: Brester Bibel - vom Ort ihrer Herausgabe, Radziwiłł-Bibel - vom Namen des Geldgebers, und Pińczów-Bibel - vom Ort, an dem die Übersetzung vorgenommen wurde. Die Übersetzungsarbeit finanzierte Fürst Mikołaj Radziwiłł Czarny, während die Übersetzer unter der Schirmherrschaft des Eigentümers von Pińczów, Mikołaj Oleśnicki, standen. Die Brester Bibel ist nach der katholischen Leopolita-Bibel die zweite gedruckte Ausgabe in polnischer Sprache. Bis heute sind ungefähr 100 Exemplare dieses Frühdrucks erhalten geblieben. Sie ist in der Jagiellonischen Bibliothek [Krakau], im Ossolineum [Breslau], in der Bibliothek der Warschauer Universität und in der Polnischen Bibliothek in Paris zu sehen. Die Brester Bibel ist - im Sinne des Mottos der Reformation "Sola Scriptura" (lat. "allein durch die Schrift") - zweifellos ein wichtiger Teil der Geschichte des polnischen Volkes.